Station 7 - Mit Ingenieurbiologie nachhaltig bauen!

Was lebendig und natürlich daherkommt, kann auch Ergebnis gut durchdachter Planung sein. Mit ingenieurbiologischen Bauweisen lassen sich Gewässer gestalten, die artenreich, stabil und zugleich schön sind. Pflanzen und Bauhilfsstoffe werden gezielt eingesetzt, um das Ufer zu sichern, zu gestalten und Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu schaffen. Solche naturnahen Maßnahmen sind nicht nur effektiv, sondern auch wirtschaftlich. Schon mit wenig Aufwand kann viel erreicht werden: Wertvolle Strukturen, mehr Vielfalt und eine sichtbare Aufwertung des Gewässers. Die Natur bekommt Impulse und sorgt dann für die weitere Entwicklung. Egal ob viel oder wenig Platz da ist: Für fast jede Situation gibt es passende Lösungen.

 

Wer mit Pflanzen baut, macht Gewässer lebendig und sicher.

Kaum etwas sieht so selbstverständlich aus wie ein naturnahes Ufer mit Wiesen, Gehölzen und plätscherndem Wasser. Und doch ist vieles davon das Ergebnis sorgfältiger Planung, handwerklicher Arbeit und einer jahrhundertealten Technik: der „Ingenieurbiologie“. Mit ihrer Hilfe lassen sich Fließgewässer so gestalten, dass sie schon nach wenigen Jahren wirken, als wären sie nie anders gewesen. Dabei entstehen wertvolle Strukturen, Lebensräume entfalten sich, Vielfalt kehrt zurück.

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Ausschnitt aus dem Ausführungslageplan zur Umgestaltung des Pösgrabens

Genau das war das Ziel der naturnahen Umgestaltung des Pösgrabens in diesem 
Abschnitt. Inmitten von Einfamilienhäusern, Gärten und Grünlandflächen wurde die Chance genutzt, mit gezielten Maßnahmen eine naturnahe Entwicklung zu unterstützen. Denn nicht immer braucht es große Bauabläufe mit aufwändigen Genehmigungsverfahren. Oft reicht es, Impulse zu setzen: initiale Erdarbeiten durchzuführen, Pflanzen gezielt einzusetzen und Raum für Entwicklung zu lassen. Besonders in Siedlungsräumen, in denen es kaum noch naturnahe Bereiche gibt, sind solche kleinen Maßnahmen sehr wertvoll.

 

Ingenieurbiologische Bauweisen verbinden notwendige Ufersicherungen mit der Schaffung naturnaher Strukturen und einer entsprechenden Entwicklung. Sie nutzen austriebsfähiges Pflanzenmaterial – zum Beispiel Steckhölzer, Setzstangen, Astwerk und Ruten – der heimischen Weidenarten, um Böschungen zu stabilisieren, für eine Begrünung mit Gehölzen zu sorgen und gleichzeitig neue Lebensräume zu schaffen. Dadurch entstehen Uferböschungen, die nicht nur technisch wirksam sind, sondern auch kostengünstig, ökologisch hochwertig, klimawirksam und optisch ansprechend. Je mehr Fläche dabei zur Verfügung steht, desto mehr Eigendynamik kann man hinsichtlich der Vegetations- und Gewässerentwicklung zulassen. Je weniger Platz ist, umso mehr kommt es auf die Auswahl der richtigen Bauweise und den fachgerechten Einbau an. Und selbst auf engstem Raum lässt sich durch die richtige Bauweise noch viel erreichen.

Der rund 180 m lange Abschnitt des Pösgrabens war ursprünglich begradigt und nahezu gehölzfrei. An das Gewässer angrenzende gemeindeeigene Flächen boten Potenzial für eine naturnahe Umgestaltung. Diese wurde im Herbst 2024 als gemeinsame Veranstaltung der Gemeinde, des Büros Stowasserplan sowie des Zweckverbandes Parthenaue umgesetzt.

 

"Entwickeln"

 

Der Abschnitt wurde mit ingenieurbiologischen Bauweisen gestaltet und jungen Gehölzen bepflanzt. Der Bereich soll sich nun als ökologischer Trittstein in der Ortslage Großpösna entwickeln und zu Biotopvernetzung und Klimaschutz beitragen.

 

In diesem Abschnitt wurden der alte Ufer- und Sohlverbau entfernt und der Gewässerverlauf durch eine Fachfirma behutsam modelliert. Ergänzend wurden ingenieurbiologische Bauweisen eingebaut und heimische Gehölzarten gepflanzt. Um die Gewässerumgestaltung auch zu einem sichtbaren Zeichen für einen verantwortungsvollen Umgang mit unserer Umwelt werden zu lassen, wurde ein Teil der Arbeiten in einem Bauseminar ausgeführt. Unter Mitwirkung von Anwohnern, Gemeindemitarbeitern, dem Zweckverband Parthenaue und der Baufirma wurde der Pösgraben zu einem Ort des gemeinsamen praktischen Lernens und gemeinsamen Gestaltens. 

 

Bürger-Bauseminar: Der Pösgraben in Großpösna wird neu gestaltet

 

 

Eine Fachfirma übernahm die Vorarbeiten und Bodenmodellierung, beim Bauseminar konnte jeder mit anfassen und bauen
Die angewandten ingenieurbiologischen Bau-weisen bestehen meist aus Weidenmaterial und lassen sich leicht einbauen

Für den erfolgreichen Einbau der ingenieurbiologischen Bauweisen sind die Beachtung der Rahmenbedingungen am Einbauort sowie der fachgerechte Einbau und die anschließende Pflege der Bauweisen entscheidend. Maßnahmen zur Ufersicherung behindern die Eigendynamik des Gewässers. Daher ist besonderes Augenmerk auf die Gestaltung abwechslungsreicher Uferlinien zu legen, um ein Mindestmaß an Strömungsdiversität und Habitatqualität sicherzustellen. Werden in Bereichen des Rückbaus von naturfernem Uferverbau ingenieurbiologische Bauweisen zur Sicherung und Festlegung des Ufers verwendet, müssen diese ebenfalls entsprechend dem Gewässertyp und der notwendigen Erosionssicherheit ausgewählt werden. Als Lebendmaterial zum Einbau in den ingenieurbiologischen Bauweisen werden austriebsfähige Weidenarten sowie Gehölzjungpflanzen verwendet. 

 

Bauweisen mit austriebsfähigen Pflanzen und Pflanzenteilen werden während der Vegetationsruhezeit an frostfreien Tagen eingebaut. So wird der bestmögliche Anwuchserfolg erzielt. Bis zum Erreichen des Zielzustandes, also einer guten Böschungsdurchwurzelung und eines dichten Gehölzaufwuchses sind regelmäßige Pflegearbeiten durchzuführen.

 

Einfache Bauweisen können in Handarbeit ausgeführt werden. Für die Herstellung aufwändigerer Bauweisen oder Bauweisen in Kombination mit Steinen (z. B. begrünte Steinschüttungen) sind Baumaschinen wie Bagger und Radlader unerlässlich.

Nach der Fertigstellung ist der Bach noch recht kahl, wird dann aber schnell grün und sich stetig weiterentwickeln