Station 6 - Viel Aufwand, wenig Leben

Bis vor Kurzem galt: Je gerader, fester und schneller, desto besser. Gewässer wurden begradigt, mit Platten oder Steinen befestigt und das Wasser in einen starren Kanal gezwängt. In diesen Rinnen läuft Wasser schnell ab, dort findet kaum ein Lebewesen Halt, Schatten und Unterschlupf. Der natürliche Charakter eines Gewässers geht verloren. Hinzu kommt, dass solche Abschnitte intensiv gepflegt werden müssen, damit der Verbau nicht durch Verfall, Materialermüdung, Pflanzenwurzeln oder den Abfluss zerstört wird. Je naturferner ein Gewässer, desto höher ist der regelmäßige Pflegeaufwand. Heutzutage fordern gesetzliche Vorgaben eine ökologische Verbesserung solcher Gewässerabschnitte. Und mit der Natur statt gegen sie zu arbeiten, ist auf Dauer einfacher und kostengünstiger.

 

Sind Bäche verbaut, gibt es kaum Leben, aber viel Pflegeaufwand.

Was einst als Fortschritt galt, ist heute vielerorts zum Problem geworden: Über Jahrzehnte hinweg wurden Flüsse und Bäche begradigt, vertieft und mit Betonplatten eingefasst. Die Vorstellung dahinter war einfach: Sicherheit schaffen, Fläche gewinnen, Wasser möglichst schnell ableiten. Doch aus lebendigen Gewässern wurden technische Kanäle.

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Wo früher das Wasser in vielgestaltigen Windungen floss, Ufer sich veränderten und Pflanzen und Tiere ihren Platz fanden, herrschen heute starre Linien, glatte Profile. Für viele Arten gibt es keine Rückzugsorte mehr, keine Laichplätze, keinen Schatten. Die Wassertemperaturen steigen, die Durchwanderbarkeit ist eingeschränkt. Das Leben im Gewässer verschwindet.

 

Auch wirtschaftlich erweisen sich die vermeintlich stabilen Bauwerke zunehmend als Belastung. Um den Abfluss aufrechtzuerhalten, müssen Sohle und Böschungen regelmäßig gemäht, von Sediment und Aufwuchs befreit und bei Schäden aufwendig instandgesetzt werden. Der Aufwand ist groß und die Kosten sind es auch.

 

Und während wir pflegen und reparieren, tut das Wasser, was es schon immer getan hat: Es sucht sich seinen Weg. Strömung unterspült Steine, Hochwasser knabbert Uferböschungen an. Die Natur zeigt, dass sie sich nicht dauerhaft fesseln lässt.
 

Der Pösgraben hat in diesem Bereich ein massiv ausgebautes und strukturarmes Gewässerbett. Auf Grund der daneben verlaufenden Straße und Gärten ist kein Platz. Der Bach ist daher in seiner ökologischen Funktion sehr stark beeinträchtigt.

 

Entwickeln/umgestalten

 

Eine naturnahe Umgestaltung wäre wünschenswert, ist aber aufgrund des derzeitigen Zustands aufwändig und teuer. Regelmäßige Pflege und Kontrolle des Abschnitts ist erforderlich. Die Pflanzen werden nach Möglichkeit länger stehen gelassen. Durch Beräumung wird dafür gesorgt, dass der Abfluss gewährleistet ist.


In solchen ausgebauten Gewässerabschnitten kommt es auf die regelmäßige Freihaltung der Sohle an. Dazu werden auf der Gewässersohle abgelagerte Sedimente bis das ursprüngliche Sohlniveau wiederhergestellt ist. Das Material wird mit dem Bagger abgetragen und kann zum Abtrocknen auf dem Gewässerrandstreifen zwischengelagert werden. Die Beräumung sollte immer gegen die Strömung, also stromaufwärts vorgenommen werden. So können die Arbeiten bei uneingeschränkter Sicht durchgeführt werden.

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Gehölze, die in der Gewässersohle loswachsen, sollten auch entfernt werden. Je größer sie sind, desto größer ist auch der Aufwand bei deren Entfernung. 2 bis 3-jährige Sämlinge lassen sich in der Regel noch leicht per Hand herausziehen. Ein Rückschnitt ist nicht zu empfehlen, da die Gehölze auf Grund ausreichender Feuchtigkeit und Nährstoffversorgung am Gewässer ohnehin wieder austreiben und weiterwachsen. Schnittmaßnahmen müssen daher in den folgenden 2-3 Jahren regelmäßig wiederholt werden, um auch den Neuaustrieb am Weiterwachsen zu hindern. In der Sohle aufwachsende Hochstauden und Gräser können gemäht werden.

 

Die Häufigkeit der Durchführung hängt von den Bedingungen vor Ort sowie den Abflussverhältnissen ab. So können besonders nach Starkregen und Hochwasser ereignisbezogene Maßnahmen nötig sein. Bei den Arbeiten in der Gewässersohle sind die Schonzeiten für Amphibien, Fische, Insekten und Brutvögel zu beachten.


Der Geräteeinsatz ist abhängig von der Menge und Art des zu entfernenden Substrats oder Aufwuchses. In der Regel sind Freischneider, Bagger, Frontlader sowie Fahrzeuge zum Verladen und Abtransportieren des anfallenden Materials notwendig.