Station 5 - Aus dem Auge, aus dem Sinn
Werden Bäche verrohrt, verschwinden sie aus unserem Blickfeld und ermöglichen eine Nutzung der bisher vom Bach beanspruchten Fläche. Für das Gewässer sind Verrohrungen das Schlimmste, was passieren kann: Das Gewässer ist nicht mehr ökologisch durchgängig, weil Fische und andere wandernde Arten so ein Rohr nicht überwinden können. Und für uns Menschen? Abgesehen davon, dass sich Mikroklima und Ortsbild verschlechtern wenn ein Bach im Untergrund verschwindet, steigt mit jeder Verrohrung auch das Risiko von Überflutungen bei Starkregen und Hochwasser, z. B. wenn Rohre verstopft oder nicht groß genug sind, um die Wassermassen abzuleiten.
Verrohrte Bäche brauchen besonderes Augenmerk!
Es ist kurzsichtig zu sagen: Was ich nicht sehe, das gibt es nicht – und erst recht, es macht keine Arbeit. Ein verrohrtes Gewässer ist zwar nicht sichtbar, aber dennoch da. Es wurde in den Untergrund verlegt, um die Oberfläche anderweitig nutzen zu können. Vielerorts waren sie ein Mittel, um Flächen für Landwirtschaft, Siedlungen oder Infrastruktur zu gewinnen. Der Preis dafür: Der Bachlauf verschwand aus dem Landschaftsbild und mit ihm ein wertvoller Lebensraum. Für Tiere im und am Wasser ist die Verrohrung eine unüberwindbare Barriere. Das Gewässer kann seine Funktionen im Naturhaushalt, für das Lokalklima oder als ortsbildprägendes Element nicht mehr erfüllen. Auch die Aue selbst steht in diesen Abschnitten nicht mehr als Retentionsraum für das Wasser zur Verfügung.


Doch Gewässer brauchen Raum – und sie holen sich diesen im Extremfall auch zurück. Damit es bei Starkregen oder Hochwasser nicht zu Schäden kommt, müssen verrohrte Gewässer ausreichend dimensioniert und gut gepflegt sein, damit das Wasser ungehindert und unbeschadet abfließen kann.
Trotz der baulichen Veränderung behalten verrohrte Gewässer ihren rechtlichen Gewässerstatus. Die geltenden Wassergesetze fordern, die Anforderungen des Hochwasserschutzes und die ökologischen Anforderungen in Einklang zu bringen. Es wird daher sorgfältig geprüft, wo Offenlegungen oder eine Rückführung in den ursprünglichen Verlauf möglich sind und wo nicht.
In diesem Abschnitt des Pösgrabens verläuft das Gewässer auf rund 130 Metern vollständig unterirdisch – unter Straßen und bebauten Grundstücken. Eine Offenlegung ist in diesem Bereich zwar nicht möglich, dennoch muss der ordnungsgemäße Wasserabfluss dauerhaft gesichert werden. Die Pflegemaßnahmen konzentrieren sich daher auf die Freihaltung der Einläufe und regelmäßige Kontrollen der Funktionsfähigkeit der Verrohrung.
Der Pösgraben verläuft in diesem Gewässerabschnitt, entlang der Straße „Am Pösgraben“, auf 130 Metern vollständig verrohrt – unter Straßen und privaten Grundstücken hindurch (im Plan gestrichelt dargestellt). Daneben gibt es mit den rot dargestellten Bereichen noch eine ganze Reihe weiterer pflegeintensiver und für Tiere schwer oder unüberwindbarer Gewässerabschnitte.
Erhaltung des Ausbauzustandes
Die Verrohrung muss auf Grund der Bebauung bestehen bleiben. Zur Sicherung des ungehinderten Wasserabflusses muss sie regelmäßig überprüft und gewartet werden. Am Beginn der Verrohrung müssen Sand und Schlamm regelmäßig beräumt werden, damit die Verrohrung bei Hochwasser funktioniert.


Die abgelagerten Sedimente werden manuell oder mittels Bagger soweit entnommen bis die ursprüngliche Abflussleistung wiederhergestellt ist. Eine Beschädigung oder Destabilisierung der Bauwerke oder der ursprünglichen Sohllage durch die Entnahmearbeiten muss vermieden werden. In der Verrohrung kann eine Sedimentberäumung auch durch eine Spülung erreicht werden.
Die Häufigkeit der Durchführung hängt von der Menge der Sedimenteinträge und -ablagerungen sowie dem freizuhaltenden Abflussquerschnitt ab. Besonders nach Starkregen und Hochwasser können ereignisbezogen Beräumungen notwendig werden. Bei den Arbeiten in der Gewässersohle sind die Schonzeiten für Amphibien, Fische, Insekten und Brutvögel zu beachten, damit die bestehende Besiedlung nur wenig beeinträchtigt wird.
Der Geräteeinsatz ist abhängig von der Menge und Art des zu entfernenden Substrats sowie der Länge und des Durchmessers der Verrohrung. In der Regel sind Fachfirmen mit Spezialtechnik (Spül- & Saugfahrzeuge) zur Beräumung und Reinigung der verrohrten Abschnitte notwendig.