Station 4 - Es summt und brummt!
Wo kein Platz für große Bäume ist, sorgen Hochstauden für Leben am Ufer! Ob gelbe Schwertlilie, Sumpfdotterblume oder Blutweiderich – ein naturnaher Hochstaudensaum blüht vom Frühjahr bis in den Herbst und lockt zahlreiche Insekten und Kleintiere an. Auch der Bach profitiert: Die Stauden beschatten das Wasser, schützen das Ufer und schaffen Struktur. Gerade dort, wo es eng am Gewässer ist, sind sie die farbenfrohe Alternative: standortgerecht, pflegeleicht und ökologisch wertvoll. Damit sie dauerhaft gedeihen, braucht es schonende Pflege: Ein Rückschnitt alle ein bis drei Jahre im Herbst, wenn sich alle Pflanzen ausgesamt haben, ist optimal. So bleibt der Hochstaudensaum vital.
Ein Blütenband am Wasser wächst nur bei passender Pflege.
Hochstauden gehören zu den besonderen Helden am Gewässerufer. In Bereichen, wo der Platz knapp und kein Raum für eine natürliche Gewässerentwicklung oder begleitende Gehölze ist, entfalten sie ihr ganzes Potenzial: Sie bringen Struktur, Farbe und Leben ans Wasser. Mit ihrer üppigen Blütenpracht locken Hochstauden Insekten an, spenden Schatten über dem Wasserlauf und stabilisieren die Uferböschungen. Die Blühfolge beginnt bereits im Frühjahr mit der auffälligen Schwertlilie und setzt sich fort mit Sumpfdotterblume, Sumpfvergissmeinnicht und Brunnenkresse. Im Sommer folgen Mädesüß, Blutweiderich, Roßminze, Wasserdost und Weidenröschen – je nach Standort und Artenzusammensetzung blüht der Uferstreifen fast durchgehend bis in den Herbst. Diese Farbenvielfalt ist nicht nur schön anzusehen, sondern auch ein wichtiger Baustein für die ökologische Aufwertung unserer Gewässerränder.


Hochstauden lassen sie sich gut durch Wurzelsoden vermehren und auch gezielt pflanzen. Sie sind daher nicht nur ökologisch wertvoll, sondern auch praktisch: In ingenieurbiologischen Bauweisen kommen sie als Bestandteil zur Ufersicherung und Strukturverbesserung zum Einsatz.
Doch damit ein Hochstaudensaum dauerhaft vital bleibt, braucht es Pflege mit Au-genmaß. Ein Rückschnitt im späten Herbst alle ein bis drei Jahre ist ideal. Wird zu häufig oder zu tief gemäht, verlieren die Pflanzen an Kraft. Sie ziehen sich zurück oder verschwinden ganz. Umgekehrt führt ein völliger Pflegeverzicht dazu, dass sich Gehölze ausbreiten, die die lichtliebenden Stauden beschatten und nach und nach verdrängen. Mit einer angepassten Mahd sollen nicht nur die Artenvielfalt gefördert, sondern die Gewässerränder lebendig, bunt und stabil erhalten werden.
Der Pösgraben hat in diesem Bereich nur ein schmales, geradliniges und strukturarmes Profil. Für Bäume und Sträucher ist auf Grund der daneben verlaufenden Straße und Gärten kein Platz.
„Entwickeln“
Dieser Abschnitt soll sich so entwickeln, dass auch ohne Gehölze mehr ökologische Vielfalt entsteht und sich Lebens- und Rückzugsräume und für Insekten und Kleintiere ausbilden können. Daher wird selten gemäht. So können sich Hochstauden und Blütenpflanzen gut entwickeln und einen schönen Anblick bieten.
Hochstaudenfluren können durch Einbau von Wurzelstücken bzw. Soden in verschiedenen ingenieurbiologischen Bauweisen angelegt werden. Als Pflanzenmaterial sind Hochstauden- und Röhricht-Soden, Geotextilien sowie geeignetes Befestigungsmate-rial zu verwenden.


Bei der späteren Pflege sollte eine vollständige Mahd grundsätzlich vermieden werden. Um ökologischen Anforderungen gerecht zu werden, sollte abschnittsweise vorgegangen werden. Das heißt, ein Teil des Hochstaudenbestandes wird jeweils stehen gelassen und im nächsten Jahr gemäht. Bei der Hochstaudenmahd sollte eine Schnitthöhe von 15 cm nicht unterschritten werden, damit ein Restlebensraum für bodennahe Lebewesen (z. B. Käfer, Spinnen) erhalten wird und die Wurzeln der Hochstauden nicht verletzt werden. Unmittelbar am Wasser ist zum Schutz von Hochstauden, Verstecken und Lebensräumen von Kleintieren sowie Fischunterständen keine Mahd notwendig.
Bauweisen mit austriebsfähigen Pflanzen und Pflanzenteilen werden während der Vegetationsruhezeit an frostfreien Tagen gebaut. Durch das Einbauen in der Vegetationsruhe der Pflanzen wird der bestmögliche Anwuchserfolg erzielt. Zum dauerhaften Erhalt der Hochstaudenarten darf die Mahd erst am Ende der Vegetationsperiode erfolgen, wenn die Samenbildung der Hochstauden abgeschlossen ist.
Die Hochstauden- und Röhricht-Sodengewinnung kann je nach Zugänglichkeit der Baustelle mit einem Bagger erfolgen. Der Einbau wird meist in Handarbeit ausgeführt, kann aber auch mit dem Bagger erfolgen. Bei der Mahd ist der Einsatz von Balkenmähern gegenüber Rotationsmähwerken (Trommel- und Scheibenmähwerk) vorzuziehen, weil durch Balkenmäher deutlich geringere Ausfälle von Insekten und Amphibien verursacht werden. Handgeführte Motormäher (Messerbalkenmähwerk oder Motorsense/Freischneider) werden in der Regel nur an schwer zugänglichen Gewässerabschnitten eingesetzt.



